Der norddeutsche Photograph Thorsten Berndt hat im Jahr 2010 knapp 50 Aufnahmen von Türen in den Gefängnissen Hamburg Fuhlsbüttel, bekannt als „Santa Fu“, und Kiel aufgenommen. Zu dem Projekt ist der Photograph in seiner Funktion als Jugendschöffe durch einen Besuch in der Justizvollzugsanstalt in Neumünster inspiriert worden. Das permanente Schließen von Zellentüren, Gangtüren und Hofzwischentüren, das Zuschlagen der Türen und das teilweise morbide Aussehen der Türen haben den Künstler beschäftigt. Daraus wurde die Idee geboren, das Thema in einem weiteren seriellen photographischen Projekt umzusetzen. Es geht dabei auch um Auseinandersetzung mit der eigenen Situation in einem Gerichts-Verfahren, einen jungen Menschen in dieses Welt des Gefängnisses hinein zu verurteilen.

Türbilder – eine Idylle dahinter?

Türbilder: Es gibt sie in Bildbänden, auf Postkarten und als Plakate, die Bilder von beispielsweise Bauernhaustüren und auch bürgerlichen Eingangsportalen. Die Bilder zeigen durch die Blumen, schöne Farben und Ornamentik eine heile Welt. Aber sie ist flüchtig, sie wird von außen suggeriert. Was hinter den Türen wirklich passiert, ob die Menschen glücklich sind, das entzieht sich unserer Kenntnis. Die hier ausgestellten Aufnahmen von Thorsten Berndt zeigen das Thema Türen in einem anderen Licht. Es werden viele Türen von beiden Seiten, innen und außen, gezeigt und die Botschaft ist klar:

Die Menschen hier leben nicht in einer Idylle – sie sind weggeschlossen, die Türen eigentlich immer verschlossen – a b g e s c h l o s s e n.

Was sehen wir?

Die Aufnahmen sollen den Menschen, die nicht im Knast arbeiten oder eingeschlossen sind, einen Einblick in diese Welt geben. Dieser Einblick ist aber mehr als nur die Zellentür von innen, die meist nur aus Fuge und Spion besteht, und aussen, mit Schloss und Riegel. Es sind Hoftüren, Eingangstüren, Verwaltungstüren, Türen von Werkstätten, Zwischengitter mit Türen und viele weitere mit nur einer Funktion: Abschliessen! In der Ausstellung wird das, was hinter den Türen ist nicht durch Titel erläutert. Die Betrachter bleiben mit Ihrer Phantasie alleine. Der Künstler gibt den Bilder chronologische Titel, H steht für Hamburg, K für Kiel und dahinter steht Nummer der Aufnahme in der jeweiligen Serie, so werden die Bilder identifizierbar – allerdings nur für den Künstler.

Die Umsetzung

Der Photograph setzt das Thema ganz reduziert um und führt die Betrachter ganz gezielt auf das wesentliche: die Türen. Sie sind mittig angeordnet, das quadratische Format, die immer gleiche zentrale Perspektive und das Fehlen der Farbe nehmen den Photos jegliche inszenierte Spannung. Die Betrachter können sich ganz auf das Objekt konzentrieren und dabei selbst Ihre Gedanken und Assoziationen zu dem Dargestellten entwickeln. Diese scheinbare Monotonie lässt die Betrachter unter die Oberfläche schauen: Was im ersten Moment eine Tür ist und noch eine Tür zwingt durch die stringente Wiederholung zum etwas genaueren Hinschauen. Es werden Details entdeckt, und jede Tür wird plötzlich zu einer besonderen Tür mit einer eigenen Botschaft und/oder Frage. Durch die Abwesenheit von Menschen wird dies noch verstärkt und die Betroffenen werden nicht persönlich stigmatisiert.


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